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Warum RFID-Projekte meist im laufenden Betrieb entstehen und genau das zur Herausforderung wird.

Wie RFID-Digitalisierungsprojekte in der Praxis wirklich entstehen

Digitalisierung in Produktion und Logistik beginnt nur selten auf der sprichwörtlichen „grünen Wiese“. Die meisten Projekte starten mitten im laufenden Betrieb in bestehenden Hallen, mit gewachsenen Prozessen und etablierten IT-Systemen. Genau hier zeigt sich, ob ein Digitalisierungsprojekt im Brownfield-Umfeld erfolgreich umgesetzt werden kann oder ob ein Greenfield-Ansatz neue Möglichkeiten eröffnet.

Greenfield oder Brownfield?

In der Praxis entstehen Automatisierungsprojekte in zwei sehr unterschiedlichen Ausgangssituationen:

  • Brownfield-Projekte: Digitalisierung bestehender Prozesse und Systeme
  • Greenfield-Projekte: Entwicklung neuer Strukturen ohne Rücksicht auf bestehende Systeme

Während Greenfield-Projekte oft mehr planerische Freiheit bieten, ist die Realität in den meisten Unternehmen eine andere: Der überwiegende Teil der Digitalisierungsprojekte findet im Brownfield-Umfeld statt.

 

Brownfield-Projekte: Digitalisierung im Bestand

Bei Brownfield-Projekten werden bestehende manuelle oder teilautomatisierte Prozesse durch digitale Technologien ergänzt oder ersetzt. In vielen Produktions- und Logistikumgebungen existieren gewachsene Strukturen, beispielsweise papierbasierte Prozesse, Excel-Lösungen oder ältere IT-Systeme.

Hier kommen AutoID-Technologien wie RFID häufig zum Einsatz, um:

  • manuelle Datenerfassung zu automatisieren
  • Transparenz über Material- und Objektbewegungen zu schaffen
  • Medienbrüche zwischen verschiedenen Systemen zu vermeiden
  • bestehende Systeme wie ERP, WMS oder MES mit Echtzeitdaten zu versorgen

Oft ersetzen diese Technologien ältere Lösungen oder ergänzen bestehende Systeme um automatisierte Identifikation und Tracking.

 

Greenfield-Projekte: Digitalisierung von Anfang an

Greenfield-Projekte entstehen typischerweise beim Aufbau neuer Produktionsstandorte oder Logistikzentren. In diesen Fällen können Prozesse und Technologien bereits in der Planungsphase vollständig neu gedacht werden.

Das bietet die Möglichkeit, digitale Technologien wie RFID, automatische Identifikationssysteme oder IoT-Infrastrukturen von Anfang an in die Prozessgestaltung zu integrieren. Dadurch lassen sich durchgängige digitale Prozesse ohne spätere Integrationsbarrieren realisieren.

In der Praxis sind solche Projekte jedoch deutlich seltener als Brownfield-Szenarien.

Projekttyp

Vorteile

Herausforderungen

Brownfield

  • Nutzung bestehender Infrastruktur und Systeme
  • Investitionen können gezielt auf einzelne Prozesse fokussiert werden
  • Verbesserungen lassen sich schrittweise umsetzen
  • Integration in bestehende IT-Landschaften
  • gewachsene Prozessstrukturen und Medienbrüche
  • Veränderungen müssen im laufenden Betrieb erfolgen

Greenfield

  • Prozesse können vollständig neu und digital gedacht werden
  • Technologien lassen sich optimal aufeinander abstimmen
  • Keine Einschränkungen durch bestehende Systeme
  • Höhere Anfangsinvestitionen
  • Technologieentscheidungen müssen frühzeitig getroffen werden
  • weniger Erfahrungswerte aus bestehenden Prozessen

Erfolgsfaktoren für Brownfield-Digitalisierungsprojekte

Gerade im Brownfield-Umfeld liegt der Schlüssel zum Erfolg in einer strukturierten Analyse der bestehenden Prozesse und Systeme. Statt bestehende Strukturen vollständig zu ersetzen, geht es häufig darum, vorhandene Lösungen sinnvoll zu erweitern.

Wichtige Aspekte sind dabei:

  • Analyse der bestehenden Prozesse: Wo entstehen Medienbrüche oder manuelle Aufwände?
  • Integration bestehender IT-Systeme: ERP-, WMS- oder MES-Systeme sollten weiterhin genutzt werden.
  • Schrittweise Digitalisierung: Pilotprojekte und modulare Erweiterungen reduzieren Risiken.
  • Gezielter Einsatz von AutoID-Technologien: RFID oder Barcode sollten dort eingesetzt werden, wo automatisierte Datenerfassung echten Mehrwert schafft.

Durch diesen Ansatz lassen sich bestehende Abläufe effizienter gestalten, ohne funktionierende Strukturen vollständig zu verändern.

Der Faktor Mensch im Brownfield-Projekt

Ein oft unterschätzter Aspekt in Digitalisierungsprojekten ist der Faktor Mensch.

Im Brownfield treffen neue Lösungen auf gewachsene, eingespielte Abläufe. Mitarbeitende haben ihre Prozesse über Jahre verinnerlicht und greifen im Zweifel auf bekannte Alternativen zurück. Besonders dann, wenn Mitarbeiter den Nutzen im eigenen Arbeitsablauf nicht erkennen.

Im Greenfield ist das anders: Neue digitale Prozesse werden von Anfang an akzeptiert und einfach angewendet, da es keine Vergleichswerte gibt.

Damit wird deutlich:
Die größte Herausforderung im Brownfield ist nicht nur die Integration von Systemen, sondern die Veränderung bestehender Arbeitsweisen. Dabei sind klare Vorgaben und Systemschulungen ein wichtiges Mittel zum Erfolg.

Chancen des Greenfield-Ansatzes

Greenfield-Projekte bieten dagegen die Möglichkeit, Prozesse und Technologien von Grund auf neu zu gestalten. Unternehmen können digitale Technologien frühzeitig in ihre Infrastruktur integrieren und dadurch besonders effiziente und transparente Systeme aufbauen.

Typische Chancen sind:

  • durchgängige Traceability von Materialien und Produkten
  • automatisierte Identifikation entlang der gesamten Prozesskette
  • optimale Integration von AutoID, Sensorik und IT-Systemen

Wenn Prozesse und Technologien bereits in der Planungsphase gemeinsam betrachtet werden, entstehen häufig besonders leistungsfähige und skalierbare Lösungen.

Fazit

Ob Brownfield oder Greenfield, beide Ansätze bieten unterschiedliche Chancen und Herausforderungen für RFID-basierte Digitalisierungsprojekte. Während Greenfield-Projekte maximale Gestaltungsfreiheit ermöglichen, liegt das größte Digitalisierungspotenzial in der Praxis häufig im intelligenten Ausbau bestehender Strukturen.

Der Erfolg solcher Projekte hängt daher weniger von der Technologie allein ab, sondern vor allem von einem tiefen Verständnis der bestehenden Prozesse, einer durchdachten Systemintegration und einer klaren Digitalisierungsstrategie.

Gerade deshalb ist eine erfahrene und technologieoffene Beratung ein entscheidender Faktor, um aus den Möglichkeiten moderner AutoID-Technologien nachhaltige und wirtschaftliche Lösungen zu entwickeln. Unsere Beratung kann Ihnen deshalb vor der Festlegung auf Produkte und Lösungen von großem Nutzen sein.

Viktor Wagner

Viktor Wagner

Geschäftsleitung

Viktor Wagner bringt 12 Jahre Erfahrung als Digitalisierungsexperte bei SIGMA Chemnitz mit. Sein Fachwissen umfasst unter anderem RFID-Anwendungen, die Planung und Machbarkeitsbewertung von RFID-Projekten, die Entwicklung individueller Lösungen sowie den Vertrieb von Software-Lösungen.

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