Wenn die Lieferkette nicht dieselbe Sprache spricht
Jeder, der mit Warenströmen arbeitet, kennt das Problem: Produkte werden unterschiedlich bezeichnet, Chargennummern fehlen oder sind nicht eindeutig, in IT-Systemen stehen Artikelnummern, die im nächsten Lager oder beim Handelspartner wieder völlig anders aussehen. Die Folgen sind Fehler beim Nachbestellen, falsche Lieferungen, aufwändige Rückfragen und im schlimmsten Fall teure Rückrufaktionen.
Kurz gesagt: ohne einheitliche Standards läuft viel durcheinander.
Das Chaos ist besonders dann sichtbar, wenn viele Akteure in einer Lieferkette zusammenspielen. Vom Hersteller/Produzent über Logistikdienstleister bis zum Distributor und Endverbraucher sind viele Hände im Spiel. Jeder nutzt eigene Formate und Systeme, die oft nicht miteinander kompatibel sind.
GTIN als DNA jedes Produkts
Die Lösung ist die GTIN (Global Trade Item Number) ein weltweit eindeutiger Schlüssel, der jedem Produkt eine Art „digitale DNA“ zuweist. Sie ist in den GS1 EPC Standards verankert und bildet die Grundlage für Barcodes und RFID-Kennzeichnungen.
Eine GTIN kann 8, 12, 13 oder 14 Stellen haben – je nach Branche und Anwendung. Zerlegt man sie, ergibt sich:
- GS1-Präfix – ein Code, der das Land oder die Organisation des Unternehmens angibt.
- Unternehmensnummer – weist das Produkt eindeutig einem bestimmten Hersteller zu.
- Artikelnummer – identifiziert das konkrete Produkt innerhalb des Sortiments.
- Prüfziffer – dient zur Fehlererkennung beim Scannen.
Mit dieser Struktur wird garantiert, dass jede Zahnbürste, jede Flasche Saft oder jedes Medikament weltweit eindeutig identifizierbar ist unabhängig davon, wer sie scannt oder in welchem System sie landet.
Von der Theorie in die Praxis
Lebensmittelhersteller
Ein Produzent verpackt frische Ware in Kartons. Ohne Standard wären die Kartonetiketten je nach Werk oder Logistikdienstleister unterschiedlich formatiert. Mit EPC-RFID und GTIN im Tag erkennt das System automatisch, um welches Produkt es sich handelt, inklusive Haltbarkeit und Charge.
Ergebnis: weniger Verwechslungen, weniger Ausschuss, schnellere Reaktion im Rückruf.
Tapeten Lieferant
Ein Tapetenhersteller steht vor einer typischen Herausforderung: Das Sortiment umfasst mehrere tausend Artikel, die sich optisch nur minimal unterscheiden. Schon allein bei zehn verschiedenen Blautönen kommt es regelmäßig zu Fehlern. In der Kommissionierung, im Lager oder bei Nachbestellungen auf Kundenseite. Diese Verwechslungen führen zu unnötigen Retouren, erhöhtem Aufwand und zusätzlichen Kosten.
Mit der Einführung eines RFID-Systems können die einzelnen Tapetenrollen eindeutig per Funk identifiziert werden. Lagermitarbeiter erhalten sofort eine Rückmeldung, wenn sie versehentlich den falschen Artikel entnehmen. Die bisher notwendige optische Kontrolle entfällt, und Fehllieferungen werden drastisch reduziert.
Auch auf Kundenseite entsteht ein Mehrwert: Durch die eindeutige Kennzeichnung nach GS1-Standard (z. B. über die GTIN) lassen sich Artikel korrekt ins jeweilige System buchen. Unterschiedliche Nummernkreise oder doppelte Stammdaten gehören damit der Vergangenheit an. So profitieren sowohl Hersteller als auch Kunden von reibungsloseren Prozessen, weniger Fehlern und einer höheren Kundenzufriedenheit.



